die Geschichte der elfa

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In der heutigen ELFA Eventhalle wurde früher Wasserstoffperoxid hergestellt. Die Produktion lief in der Fabrikhalle bis ins Jahr 2002, bevor die ELFA (Elektrochemische Fabrik Aarau) die Produktion auslagerte. 2004 wurde die ELFA dann vom französischen Mutterkonzern übernommen und der Standort Aarau aufgelöst.

Danach wurde aus der ehemaligen Fabrik die Event-Location "Halle 11A". 2017 übernahm die Thommen Gastronomie AG aus Niedergösgen die Halle und führt sie seither unter dem ursprünglichen Namen ELFA. 


Die Gründung 

Auf Anregung der aargauischen Strohindustrie, die während des Ersten Weltkrieges gewisse notwendige Rohstoffe nicht mehr beschaffen konnte, erwarb der Aargauer Industrielle Wilhelm Francke-Zurlinden Ende 1915 eine Lizenz zur Herstellung von Wasserstoffperoxid in der Schweiz.

Die drei wichtigsten Voraussetzungen für eine erfolgreiche Produktion waren mit der Wahl des Standortes für die neue Fabrik an der Rohrerstrasse in Aarau erfüllt: Elektrische Energie lieferte ein nahes Flusskraftwerk an der Aare, Wasser für Kühlzwecke stand praktisch unbeschränkt zur Verfügung, und sicherer Abnehmer war vor allem die Aargauer Strohindustrie, der infolge der Kriegslage das Wasserstoffperoxid zum Bleichen von Stroh fehlte.

So entwickelte sich die kleine Fabrik in Aarau an der verkehrsgünstigen Lage gleich neben Strasse und Bahn – sehr erfreulich.

Der Strohhut in der Krise

Unerwartet trat aber 1926 eine schwere Krise über die Strohhutindustrie herein, da der früher so beliebte Strohhut aus der Mode gekommen war. Der elegante Herr trug nun einen Filzhut, und die Jugend verzichtete meist ganz auf eine Kopfbedeckung. Als man erkannte, dass es sich nicht nur um eine vorübergehende Modeschwankung handelte, musste sich die Leitung der ELFA zu einer Umstellung entschliessen. Nach vielen Anstrengungen gelang schliesslich die Propagierung des Wasserstoffperoxids als Hilfsmittel zur Veredelung von Textilien, und dieser Erfolg führte zu einer Periode anhaltender Aufwärtsentwicklung.

Das folgende Jahrzehnt zeigte das Auf und Ab einer Entwicklung, wie sie in der Zeit der grossen Weltwirtschaftskrise mancher Industriebetrieb durchlief. Mitten in den grossen Anstrengungen, vermehrter Absatz im Ausland zu erreichen, starb 1935 Wilhelm Francke – Zurlinden, und damit hatte die ELFA zu allen anderen Sorgen auch noch den Verlust ihres Gründers und Leiters zu überwinden.

Die Nachfolge übernahm der seit 1925 als Betriebsleiter tätige Dr. Otto Pfiffner. Während und nach dem 2. Weltkrieges schrumpfte der Export von Wasserstoffperoxid mehr und mehr zusammen, da nun im Ausland überall neue Produktionsanlagen entstanden.

Grosse Investitionen

In den 50er Jahren investierte die ELFA beträchtlich in die Produktionserweiterung, denn inzwischen hatten sich neue Anwendungsgebiete in verschiedenen Industriezweigen gezeigt. So erwarb die ELFA im Jahre 1957 die Lizenz für ein wesentlich verbessertes elektrolytisches Verfahren zur Herstellung von Wasserstoffperoxid, welche die Produktion wesentlich verbilligen und gleichzeitig die Kapazität entscheidend heben sollte. So konnte schon 1959 ein grösserer, architektonisch ansprechender Neubau mit Flach- und Hochtrakt in Betrieb genommen werden.

Diese moderne Produktionsanlage erlaubte die Herstellung von reinstem Wasserstoffperoxid bei einem minutiös durchorganisierten Betrieb, der dank weitgehenster Automatisierung ein Mehrfaches des früheren Ausstosses bei wesentlich geringerem Aufwand an menschlicher Arbeitskraft leistet. Aber auch für den Verbraucher wirkte sich die Umstellung günstig aus, indem die Preise trotz allgemeiner Erhöhung der Unkosten bedeutend gesenkt werden konnten.

Diese Verbilligung liess das Wasserstoffperoxid vom Spezialprodukt zum chemischen Massenprodukt werden, was ihm nicht nur immer wieder neue Anwendungsmöglichkeiten erschloss, sondern auch für die Zukunft eine konkurrenzsichere Stellung auf dem chemischen Markt sicherte.

Quelle: 50 Jahre ELFA AG, Elektrochemische Fabrik, Aarau, 1966

 


Wasserstoffperoxid

Wasserstoffperoxid mit der chemischen Formel H2O2 ist – in allen Konzentrationen – eine farb- und geruchlose Flüssigkeit. Wie das Wasser besteht es chemisch aus Wasserstoff und Sauerstoff, hat aber ihm gegenüber pro Gewichtsanteil Wasserstoff die doppelte Menge Sauerstoff. Die zusätzliche Hälfte Sauerstoff ist leicht abspaltbar, worauf gewöhnliches Wasser zurückbleibt. Dieser abspaltbare, „aktive“ Sauerstoff bewirkt die oxydierenden, bleichenden und desinfizierenden Wirkungen des Wasserstoffperoxids.

H2O2 wird in folgenden Bereichen verwendet:

  • Bleichmittel
  • Oxidationsmittel
  • Sauerstofferzeuger
  • Parfumindustrie
  • Kosmetika
  • Im medizinischen Bereich